24. November 2017
BASEL

Eine Nacht lang stellen wir gemeinsam mit allen Interessierten die Themen Bildung und Kritik in den Mittelpunkt. Wir hören, üben und formulieren Kritik und tragen sie in die Stadt hinaus – denn Kritik ist der Anfang von Veränderung.

Bildung ist in aller Munde. Bildung gilt als höchstes Gut, ist Schlüssel zu Wohlstand, Erfolg und Integration. An der Langen Nacht der Kritik wollen wir Bildung im Spannungsfeld von aktuellen ökonomischen Bedingungen diskutieren und wir stellen die Begriffe Ausbildung und Bildung in den Kontext gesellschaftlicher Verhältnisse. Welche Rolle spielen die Kategorien Geschlecht und Migration in der Bildungsdebatte? Gibt es Alternativen zu einem Bildungsverständnis, das sich ausschliesslich am Nutzen und der Konkurrenz orientiert? Wo formiert sich Widerstand gegen die Sparmassnahmen? Und was ist Kritik überhaupt?

PROGRAMM

Bereits am Mittwoch, den 22.11.17 gibt es im Neuen Kino mit dem Film «Alphabet» von Erwin Wagenhofer einen ersten Vorgeschmack auf die Lange Nacht der Kritik. Diese beginnt dann am Freitagabend, den 24.11.17 um 18.00 Uhr und findet an verschiedenen Orten der Bildung statt. Es gibt ausserdem leckeres Essen und mit der Party im Sääli lassen wir die Kritik bis tief in die Nacht weiter tanzen!

»Alphabet« (2013) von Erwin Wagenhofer
(Mi 22.11) 21.00

Neues Kino

„Die Verkürzung des Lebens auf die Ökonomie, ist eine der schlimmsten Entwicklungen unserer heutigen Zeit“, sagt der Personalvorstand der Deutschen Telekom im Film. Wie kann man Bildung anders denken als in Konkurrenz? Diese Frage treibt Erwin Wagenhofer in seinem Dokumentarfilm um. Er trägt sie in Seminare für Topmanager, zu Hochbegabten nach China und in Schulen, die Kinder etwas beibringen wollen fernab von Leistungsdruck, Konkurrenz und Gehorsam. Nach „We Feed The World“ und „Let’s Make Money“ stellt der Österreichische Regisseur wiederum eine der dringlichsten Fragen unserer Zeit und findet dafür eine bestechende filmische Form.

Dokumentarfilm 113 Minuten
Eintritt frei, Kollekte

Eröffnung – Lange Nacht der Kritik
18.00 – 18.30

Sääli zum goldenen Fass

Wir – das Kollektiv

Bildungszugang für geflüchtete Menschen
18.00 – 23.00

Ateliergenossenschaft
Kaserne Basel


Finanzierungsprobleme, Sprachschwierigkeiten und Dokumente, die fehlen oder nicht anerkannt werden: Wenn geflüchtete Menschen in der Schweiz ihr Studium an einer Universität beginnen oder weiterführen wollen, stehen sie vor grossen Hindernissen. Wie steht es um die Chancengleichheit beim Zugang zu Bildung in der Schweiz? Wie können wir die Zugänglichkeit zu Bildung für alle verbessern? Verschiedene Künstler*innen zeigen uns ihre Sicht auf die Thematik durch Bilder, Mitglieder des Vorstands und Teilnehmer*innen des Projekts Offener Hörsaal diskutieren mit Ihnen über Probleme, Grundsatzfragen und Lösungsansätze!

Ausstellung
Offener Hörsaal Basel

Überregionales Vernetzungstreffen gegen Studiengebührenerhöhungen
ab 18.00

Universität Basel Kollegienhaus, Seminarraum 212

Bildungsgebühren werden zur Zeit flächendeckend an schweizerischen Universitäten erhöht. Steigende Bildungsgebühren sind an den Universitäten in Lausanne, der ETH, allen öffentlichen Hochschulen Berns und in Fribourg für das Jahr 2018 angekündigt. Dagegen wollen wir uns vernetzen. An der Langen Nacht der Kritik in St. Gallen, Zürich und Bern fand bereits eine Vernetzung statt. Ausserdem arbeiten einige Hochschulgruppen im Rahmen des europäischen Forum to Fights seit bald zwei Jahren über die Sprachgrenzen hinweg zusammen und haben wichtige Beiträge in der gemeinsamen Zeitung verfasst.

Workshop
18.00 – 19.15
Berichte aus verschiedenen Städten
19.15 – 21.00
Ideen für überregionale Perspektive in Kleingruppen sammeln
21.00 – 21.45
Präsentation konkrete Vorschläge, Diskussion, Nächste Schritte bestimmen (nur für Studierende welche aktiv sind oder sein möchten)

Schüler*innen gegen Sozialabbau: Rückblick und Perspektiven
19.00 – 20.00

Ateliergenossenschaft
Kaserne Basel


Schulhausbesetzung, Strassenblockade, selbstorganisierter Unterricht. Das Frühjahr 2017 war geprägt von einem ungewohnten Aktivismus seitens der Zürcher Schüler*innen. In überschulischen Zusammenschlüssen wehrten sich diese gegen den Sozialabbau in der Bildung, im Gesundheitswesen und im ÖV. Gemeinsam mit beteiligten Aktivist*innen wollen wir nachvollziehen, wie es zu dieser Mobilisierung gekommen ist.

Praxisbericht
Hannah Borer
Benjamin Haab

Wir wollen keine gebildeten Dummköpfe werden!
19.30 – 21.00

Planet 13

Ist unsere Bildung in der Krise? Wie hängt dies mit der Krise des Kapitalismus zusammen? Was für eine Alternative wollen wir? Und: Wie kommen wir dahin? Auf diese Fragen versuchen wir mithilfe des Marxismus Antworten zu finden. Dabei verbinden wir die Analyse mit den aktuellen Kämpfen in der Bildung. Unser Kredo: „Es gilt die Welt nicht nur zu interpretieren, verändern wir sie!“

Workshop Der Funke
Olivia Eschmann

Bildung im Spannungsfeld aktueller ökonomischer Bedingungen
19.30 – 21.00

Universität Basel Kollegienhaus, Hörsaal 001

Bildung unterliegt spezifischen ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen. Im Kontext aktueller Sparmassnahmen, wie beispielsweise an der Universität Basel, wird an dieser Veranstaltung über den Auftrag von Bildung und die Folgen der Ökonomisierung debattiert.

Podiumsdiskussion
Katharina Prelicz-Huber (VPOD)
Dr. Matthias Ammann (Avenir Suisse)
Prof. em. Dr. Ueli Mäder (em. Prof. für Soziologie)
Christoph Eymann (LPD)
Moderation: Cécile Speitel

Geschlecht und Wissenschaft – Eine kritische Perspektive
19.30 – 20.30

Buchhandlung Labyrinth

In ihrem Vortrag beschäftigt sich die Geschlechterforscherin Andrea Maihofer mit dem vorherrschenden Verständnis von Wissenschaft. Welche Vorstellungen von Wahrheit und Objektivität sind damit verbunden? Und wie sind diese mit der Frage nach dem Verhältnis von Theorie und Praxis bzw. von Wissenschaft und Politik verknüpft? Zudem wird der Blick auf die Probleme von Frauen (und zunehmend auch von Männern) im Wissenschaftssystem gerichtet. Und nicht zuletzt: Was hat das alles mit Geschlecht zu tun und einem spezifischen traditionellen Konzept von bürgerlicher Männlichkeit?

Vortrag
Prof. Dr. Andrea Maihofer

Kritik macht hungrig!
20.00 – 23.00

Ateliergenossenschaft
Kaserne Basel


Das Verpflegungsangebot wird in Kooperation mit Basler Foodsharing-Aktivist*innen organisiert. Frisch gerettete Lebensmittel werden der Gemeinschaft im Atelierhaus zur Verfügung gestellt.

Essen von Foodsharing Basel

AusBildung oder Bildung – auf dem Weg in eine neue Bildungskatastrophe
21.30 – 22.30

Buchhandlung Labyrinth

Die Bildungsinstitutionen sind heute einem erheblichen Umbau unterworfen. Kurzatmigkeit des Wissens und geringe Bildungstiefe werden favorisiert. Alles dient dem Wettbewerb; alle sind erschöpft. Was also kann heute von Bildung erwartet werden?

Vortrag
Prof. Dr. Alex Demirovic

Was ist Kritik?
21.30 – 23.00

Sääli zum goldenen Fass

Wir diskutieren die Situation der Kritik im Spannungsfeld zwischen Denken und Handeln, „Interpretieren“ und „Verändern“. Was ist mit «Kritik» überhaupt gemeint? Was ist Art und Aufgabe der Kritik in der heutigen Zeit, die ohne den Horizont von Utopien und Idealen auskommen muss? Ausgangspunkt der Diskussion bildet eine kurze Textpassage von Karl Marx.

Workshop Symposion
Marc-André Kaspar
Flavio Marelli

Kunst machen, Forschung betreiben, aber wo darüber schlafen?
ab 22.00

Ateliergenossenschaft
Kaserne Basel


Ob wir ECTS-Punkte jagen müssen, um uns zu bilden, ob wir an jedem Ecken der Stadt zuerst konsumieren müssen, um dort zu verweilen zu dürfen, oder zuerst unsere Kunst verkaufen müssen, um uns ein Atelier für die Arbeit leisten zu können: die ökonomische Logik durchdringt uns. Eine Diskussion über Wissenschaft, Kunst und darüber, wie Räume ausserhalb der städtischen Institutionen geschaffen werden.

Input und Diskussion
von Recht auf Stadt Basel

Kritik kann tanzen!
ab 23.00

Sääli zum goldenen Fass

Ein kritischer Geist heisst auch: Immer in Bewegung bleiben. Das wünscht sich Lokke als DJ auch. Er legt für uns warme, luftige und knisternde Sounds aus Jazz, Funk, Elektro und Disco auf und sorgt dafür, dass sich der kritische Gedanke von unseren Köpfen in den ganzen Körper verteilt und hinaus in die Nacht getragen wird.

Lokke

Kritik kann noch länger tanzen!
ab 01.00

Sääli zum goldenen Fass

Rhythmische Beats, quirlige Gitarren und knurrige Bässe. 70er Jahre nicht-europäische Musik trifft auf zeitgenössisch westlichen Elektro Pop. Und umgekehrt. Krautig, treibende Riffe gleiten in fortlaufende Ästhetik und münden in der Tiefe einer bassigen Klangwelt, die jede_n in die Knie fallen lässt. Juan und Blerim ist Anti-Disco Musik zum Tanzen.

Dezir von Juan & Blerim

Programm zum Download

Aktuell

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Über uns

Der Career Service der Schweizer Hochschulen lädt alljährlich zur sogenannten „Langen Nacht der Karriere“. Dort können sich Student*innen, Doktorent*innen und Alumni fit machen in Sachen Bewerbung und Karriereplanung sowie Kontakte mit zukünftigen Arbeitgeber*innen knüpfen. Dabei wird die individuelle Berufskarriere als absolutes Ziel von Bildung vorausgesetzt.

Letztes Jahr formierte sich an der Universität Zürich erstmals Widerstand gegen die Mustermesse der Karrierebetriebe. Ziel der Student*innen war es, die konkurrenzorientierte Perspektive und die Leistungsgesellschaft zu kritisieren. Daraus entstand die erste Lange Nacht der Kritik. Die Idee veranlasste dieses Jahr auch Gruppen in anderen Städten eine Nacht ganz im Zeichen der Kritik und der Bildung durchzuführen.

In Basel ist das Organisationskollektiv bunt zusammengewürfelt und besteht aus Student*innen der Fachhochschulen FHNW, HSLU und der Universität Basel, sowie dem Forum für kritische Soziale Arbeit Basel und Einzelpersonen. Es ist uns ein Anliegen, ein kritisches Bildungsverständnis hochschulübergreifend zu thematisieren.

Das Bildungssystem wird durch staatliche Subventionen getragen. Je stärker aber diese Beiträge weggespart werden, umso mehr müssen sich die Bildungsinstitutionen ökonomischen Prinzipien anpassen und umso weniger können sie nach bildungsethischen Normen und Werten handeln. Bis 2021 muss die Universität Basel beispielsweise 43 Millionen Franken einsparen. Mit der ersten Langen Nacht der Kritik in Basel verbinden wir unser gemeinsames Interesse, die prekären Entwicklungen im Bildungsbereich sichtbar zu machen und gemeinsame Fragen öffentlich zu diskutieren: Was wird gelehrt? Wer bestimmt das? Wer darf etwas lernen? Und wie können wir etwas verändern?

In Zusammenarbeit mit

Danke für die finanzielle Unterstützung

Berufsverband Soziale Arbeit (AvenirSocial) beider Basel
Fachschaft Soziale Arbeit HSA FHNW
Fachgruppe der Deutschen Philologie Universität Basel
Fachgruppe Gender Studies Universität Basel
Fachgruppe Geschichte Universität Basel
Fachgruppe Nursing Science Universität Basel
Sozialfonds Fachhochschule Nordwestschweiz
Internetcafé Planet 13, Basel